Amalgam-Verbot

Das Europäische Parlament hat die Verwendung von Quecksilber in der Industrie und Medizin mit 1. Juli stark eingeschränkt.

Die strengeren Regeln für die Verwendung von Quecksilber gehen auf die sogenannte Minamata-Konvention zurück. In den 50er-Jahren wurden in der gleichnamigen japanischen Stadt tausende Menschen mit Quecksilber vergiftet, rund 2000 Menschen starben. Verursacher waren Fische und Schalentiere, die mit dem Schwermetall vergiftet worden waren, nachdem eine örtliche Fabrik das Wasser verschmutzt hatte.

Als Folge beschlossen 2013 90 Staaten, darunter auch die 28 EU-Mitgliedstaaten, die Nutzung von Quecksilber so weit wie möglich zu minimieren. Anfänglich hatte das EU-Parlament ein komplettes Verbot von Quecksilber in der Zahnmedizin geplant, die Mitgliedstaaten waren allerdings gegen ein vollständiges Verbot von Quecksilber in der Zahnheilkunde. Nunmehr soll bis 2020 geprüft werden, ob man in der Zahnmedizin ab 2030 zur Gänze darauf verzichten müssen.

Folgen des Verbots

Ab 1. Juli 2018 darf bei schwangeren oder stillenden Frauen sowie Jugendlichen unter 15 Jahren das quecksilberhaltige Amalgam nicht mehr als Zahnfüllung verwendet werden.

In der Industrie soll es auch deutlich reduziert werden. Beispielsweise wird Quecksilber als Katalysator bei der Herstellung von Biodiesel verwendet. Die hochgiftigen und flüssigen Abfallstoffe müssen künftig auch vor ihrer Entsorgung in Pulverform stabilisiert werden.

Weiters werden auch für den Im- und Export von Quecksilber strengere Vorgaben gelten. Die Ausfuhr des Stoffes ist laut der Verordnung nur noch für den wissenschaftlichen Zweck erlaubt. Die Einfuhr wird nur mehr für die Herstellung zugelassener Produkte wie Energiesparlampen genehmigt.

In der Zahnmedizin darf ab dem 1. Januar 2019 Dentalamalgam nur mehr  in vordosierter, verkapselter Form verwendet werden. Außerdem sind die Ärzte verpflichtet Amalgam-Abscheider in ihren Praxen zu verwenden, die den Stoff aus dem Abwasser filtern. Bis 2020 soll eine Studie prüfen, ob die quecksilberhaltigen Zahnfüllungen ab 2030 vollständig aus der Zahnmedizinverordnung verbannt werden sollen.

Wirkung im menschlichen Körper

Im menschlichen Körper kann Quecksilber geistige Fähigkeiten wie Intelligenz, Konzentration und Merkfähigkeit beeinträchtigen. Studien zeigen allerdings, dass Kinder, die eine Amalganfüllung bekommen haben, nur geringfügig mehr Quecksilber im Körper haben als Kinder mit Kunststofffüllungen.  Die nachgewiesenen Mengen sind aber mit großer Wahrscheinlichkeit zu gering, um Schäden zu verursachen. Die Auswirkungen auf jüngere Kinder, Schwangere und ungeborene Kinder sind kaum untersucht. Die EU-Verordnung zielt also darauf ab, jegliches Risiko zu minimieren.

Obwohl der Stoff seit Jahrzehnten als gutes und dauerhaftes Füllungsmaterial gilt und die EU-Kommission die Amalgam-Füllungen grundsätzlich als für Patienten ungefährlich einschätzt, weil diese im Mund verkapselt sind, äußern Kritiker dennoch immer wieder Zweifel. Amalgamfüllungen sollen daher zukünftig nur noch ausnahmsweise erlaubt sein, etwa bei Allergien gegen Bestandteile der alternativen Füllstoffe.

Die Quecksilberlegierung  ist günstig, leicht zu verarbeiten, hält lange und schafft ein Milieu, das Bakterien nicht mögen. Andere Arten von Zahnfüllungen wie etwa Keramik, Kunststoff oder Gold gelten als weniger haltbar bzw. deutlich teurer. Zudem besteht auch bei diesen Füllstoffen das Problem, dass Inhaltsstoffe in den Körper gelangen und Schaden anrichten können. Des Weiteren kam 2014 eine Studie des Cochrane-Netzwerks zu dem Ergebnis, dass die Misserfolgsquote und die Quote für Folgekaries bei Kunststoff-Füllungen nach fünf bis sieben Jahren doppelt so hoch sei wie bei Amalgam-Füllungen.

Schwermetalle in der Umwelt

Bei dem Amalgam-Verbot geht es vor allem um eins: Dass man erkannt hat, dass Schwermetalle – hier das Quecksilber – schlecht für die Umwelt sind. Deshalb will man durch die Verordnung auch in der Industrie die Verwendung von Quecksilber reduzieren. Gelangen Schwermetalle in die Umwelt, stellen sie eine Bedrohung für Pflanzen und Tiere und nicht zuletzt auch für den Menschen dar.

Analog zum Amalgam gibt es noch einen weiteren großen Fall, bei dem es um das Vorbeugen einer Schwermetallvergiftung der Umwelt geht: Die Recycling Baustoff-Verordnung und die damit verbundene Erlaubnis schwermetallhaltige Schlacke im Straßenbau zu verwenden. Durch die Verordnung darf die Schlacke mit den enthaltenen Schadstoffen direkt über dem Grundwasser verbaut werden. Die giftigen Schwermetalle können jedoch im Laufe der Zeit ausgewaschen werden und somit in den Wasserkreislauf gelangen. Dadurch können diese von Pflanzen, Tieren und Menschen aufgenommen werden und wie oben aufgeführt schwerwiegende gesundheitliche Probleme hervorrufen.

Man hat bei Quecksilber die Schädlichkeit erkannt und will nun die Gefahr, die Umwelt damit zu vergiften minimieren. Bei der Schlacke ist dies noch nicht geschehen. Daher gilt es bei Schlacke und anderen mit Schwermetallen vorbelasteten Baustoffen vergleichbare Einschränkungen zu beschließen. Wenn wir unsere Körper nicht mit Quecksilber vergiften wollen, dann wohl auch nicht mit Chrom, Kupfer, Molybdän etc.!

Bewertung

Auf Grund der Giftigkeit von Quecksilber ist die Verordnung in der vorliegenden Form zu begrüßen. Jedoch wäre ein komplettes Verbot von Quecksilber und folglich auch Amalgamfüllungen laut den vorliegenden Studien unnötig. Das Quecksilber wirkt in den Zähnen antibakteriell und wenn es schon bei Kindern nicht in erhöhten Mengen nachweisbar ist, sollten die Füllungen bei erwachsenen Menschen keine Bedenken verursachen.

Daher ist das Verbot eine gute Vorsichtsmaßnahme für Kinder und schwangere Frauen, mehr als das dann aber auch nicht. Lediglich die Einschränkungen in der Industrie sind aus Sicht der Umwelt und Gesundheit ein wichtiger Punkt, denn als Abfallstoff in der Umwelt hat Quecksilber nichts zu suchen. Dadurch kann es nämlich in den Nahrungskreislauf von Pflanzen, Tieren und Menschen kommen und somit eher in den menschlichen Körper gelangen als durch die Zahnfüllungen.

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