Der offene Brief: Kupfer!

Der offene Brief: Kupfer!

Liebe Kolibris!

Unsere Serie „offener Brief“ geht nahtlos weiter! Wir haben Informationen zum Schwermetall Kupfer und zur beabsichtigten Änderung der RBV erhalten und ausgewertet. Es ist schrecklich!

Offen ist der Brief deshalb, weil er sich nicht nur an eine Vielzahl von Empfängern richtet, sondern weil mir immer – auch wenn es vielleicht  lästig rüber kommt – auch eine Menge an Politik (darunter selbstverständlich direkt Herrn BM Rupprechter), sowie Presse und Medien (ua. das Nachrichtenmagazin PROFIL) ins Cc setzen. 😉

Aber lest nun selbst zu den Auswirkungen der RBV-Änderungen über Kupfer und die Hochwassergrenze „HGW 100“:

Sehr geehrte Damen u. Herren,

In Bezug auf die Recycling-Baustoffverordnung (RBV) tut sich gerade jede Menge – aus unserer Sicht, leider nur negatives.

Wir mussten leider erfahren, dass nicht nur HGW 100 Grenze aus der RBV ausgenommen worden ist, sondern das auch die Grenzwerte der Schwermetalle wie zB Kupfer komplett aus der VO rausgenommen wurden. Für uns als Umweltschützer ist das ein Skandal.

Die HGW 100 (höchster Grundwasserstand) ist ein Mittelwert, der statistisch einmal in 100 Jahren erreicht wird. Jedoch hat Österreich allein in den letzten 15 jahren 3 Hochwasser erlebt, die in dieser Intensität statistisch nur im Abstand von 100 Jahren eintreten – drei „Jahrhunderthochwasser“ innerhalb von 15 Jahren.

Die HGW 100 Grenze ist also ein wichtiges – wenn nicht sogar das wichtigste Element dieser Verordnung.

Durch die Abschaffung dieser Grenze kommt es dazu, und das muss einem jeden bewusst sein, dass die LD- und Elektroofen-Schlacke direkt „unten“ knapp am Grundwasser verbaut wird. Dadurch, dass in den letzten 15 Jahren drei „Jahrhunderthochwasser“ eingetreten sind, kann man mit absoluter Sicherheit annehmen, dass Schlacke „unter Wasser“ stehen wird und dadurch mit Grundwasser in Berührung kommt. Somit wird das Grundwasser mit ausgewaschenen Schwermetallen wie Cadmium oder Vanadium verseucht.

Die Auswaschung der genannten Schwermetalle wurde übrigens GAR NICHT untersucht – zur Unbedenklichkeit der Regelungen in der RBV wird stets auf Chrom VI verwiesen, das natürlich untersucht wurde. Und dabei wurde festgestellt, dass es i) in der LD-Schlacke so gut wie nicht vorhanden ist und ii) nicht eluiert (dh nicht ausgewaschen wird). Toll.

Heutzutage ist es scheinbar auch üblich, etwas Schlechtes mit etwas noch schlechterem zu positivieren. Die RBV sieht man das gut:  Viele Verantwortliche haben stets gesagt, dass Elektroofen-Schlacke um einiges gefährlicher sei als die LD-Schlacke, weshalb man froh sein könnte, dass LD-Schlacke – und nicht Elektroofen-Schlacke in der RBV zugelassen ist. Interessant ist nun, dass der Grenzwert von Kupfer aus der RBV rausgenommen wurde, was Tür und Tor für die noch gefährlichere Elektroofen-Schlacke geöffnet hat.

Jemand, den das sicherlich freuen wird, ist die Stahl- und Walzwerk GmbH Marienhütte in der Steiermark. Bei deren Stahlherstellung wird Elektroofen-Schlacke (EO-Schlacke) in Massen mitproduziert – durch die ganzen Änderungen der RBV muss man sich dort nicht mehr die Frage stellen, wohin dieses Nebenprodukt (wir sagen fast „Sondermüll“) gebracht werden kann. Man erspart sich somit die Lagerkosten und unterläuft dadurch wohl auch das Altlastensanierungsgesetz (ALSAG: Der Altlastenbeitrag gemäß Altlastensanierungsgesetz ist eine zweckgewidmete Abgabe, die für die Entsorgung, Verfüllung bzw. Verbringung von bestimmten Abfallarten eingehoben wird. Wenn ein Stoff aber für den Bau (von Straßen etwa) geeignet ist, kann der Stoff juristisch aber schwer als „Abfall“ behandelt werden. Die RBV eröffnet nun die Nutzung von LD- und EO-Schlacke für den Straßenbau etwa. So werden zwar unsere Böden mit hochgiftigen Schwermetallen verseucht, aber hey, Hauptsache manche Unternehmen ersparen sich viel Steuern, weil sie ihre Schlacke nicht sonderentsorgen müssen, sondern dank RBV an den Straßenbau abgeben können. Das Ganze passiert auf legaler Weise, dank der RBV – leider!

Uns liegt dazu ein Schreiben der Agentur für Ernährungs- und Gesundheitssicherheit (AGES) vor, woraus sich die negativen Auswirkungen das Schwermetalls Kupfer auf die Umwelt ergibt:

„Kupfer ist ein Schwermetall und wird im Boden nicht abgebaut. Ein mit Zink und Kupfer kontaminierter Boden kann nach derzeitigem Kenntnisstand praktisch nicht mehr saniert werden.“

– Boden-Dauer-Beobachtungs-Flächenprogramm LFL Agraökologie

Das vollständige Schreiben befindet sich im Anhang der E-mail.

Zusammengefasst: Sollte die RBV so bleiben wie sie jetzt geändert wurde, dann

  • Wird LD-/EO-Schlacke mit dem Grundwasser in Berührung kommen wird;
  • Wodurch die darin enthaltenen Schwermetalle (Cadmium, Vanadium, Kuper ua) von der Schlacke in das Grundwasser ausgewaschen werden; und vor allem
  • Kupfer wird (wie oben zitiert) drastische und unumkehrbare (!) Auswirkungen auf Äcker, Pflanzen, Böden und uns Menschen haben – von der Wirkung des Cadmiums oder Vanadiums erst gar nicht zu sprechen.

Beste Grüße


Euer Kolibri

 

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